Namkaran - die hinduistische Namensgebung

Die Namkaran Zeremonie wird etwa eine Woche nach der Geburt eines Kindes durchgeführt. Über Generationen gewachsene Familientraditionen spielen dabei eine Rolle. Deshalb können Zeremonien in ihrer Ausführung und Länge variieren.

Ablauf der Namkaran Zeremonie

Reinigung

Mutter und Kind werden von der Geburt körperlich und spirituell gereinigt, indem beide, vorzugsweise im Wasser des Ganges, gebadet werden.

Die spirituelle Reinigung erfolgt durch einen Priester mit Mantras in Sanskrit, Rauch (Weihrauch, Räucherstäbchen), Wasser und Feuer.

Für beide ist die körperliche und spirituelle Reinigung auch eine Segnung.

Das Kind wird mit all seinen vorigen Leben rein in seinem neuen Leben begrüßt. Die Mutter wird von den Strapazen der Schwangerschaft und der Geburt gereinigt.

Vorbereitungen

Zuerst wird Kajal hergestellt. Dazu wird eine Banane auf einer Seite dünn mit Butter eingerieben. Diese Seite wird über ein Feuer (Kerze) gehalten, bis sich der Ruß mit der Butter stark genug vermischt hat. Dieses Ruß-Butter-Gemisch wird meistens mit dem Ringfinger der rechten Hand aufgetragen.

Das Kind wird in Festtagsgewand gekleidet, mit Blumenketten geschmückt und seine Augenlider werden mit Kajal geschminkt. Mit Sandelpaste werden von der Familie, als Schmuck, Punkte in das Gesicht des Babys getupft.

Ein Elternteil tupft ein bis zwei schwarze Punkte auf eine Schläfe des Kindes. Die schwarzen Punkte sollen vor bösen Geistern schützen und Gesundheit bringen.

Die Eltern binden sich vor der Zeremonie entweder eine rote oder schwarze Schnur, manchmal auch einen Kupferdraht um die Hüfte (als Schutz für das Kind).

Heutzutage entscheiden oft die Eltern über den Namen des Kindes. Traditionsgemäß werden von den älteren Familienmitgliedern sowie vom Priester (Pandit, Pujari, Brahmane) oder Guru den Eltern mehrere Namen für das Kind vorgeschlagen. Aus diesen Namen wählen die Eltern einen Hauptnamen aus und entscheiden, ob das Baby auch Zusatznamen haben soll und, falls ja, wie viele und welche. Der Name, den die Eltern aus diesen Vorschlägen ausgesucht haben, wird vom Vater auf einen Zettel geschrieben, jedoch vorerst nicht verraten. Nur der Vater und die Mutter kennen den Namen. Ihre Entscheidung wird erst während der Zeremonie bekannt gegeben.

Die Zeremonie

Der Priester nimmt eine Blüte, taucht sie in das Wasser des Ganges. Er betupft damit den Kopf der Mutter, des Vaters und des Kindes, und segnet sie, begleitet von Mantras in Sanskrit.

Dann werden zwei Flammen entzündet. Eine mit dickem und eine mit dünnem Docht. Sobald beide Flammen brennen, blicken die Eltern in die Flammen und denken dabei an den Namen ihres Kinds. Mit dem Gedanken „Das soll der Name unseres Kindes sein“ bestätigen sie die Entscheidung, die sie getroffen haben.

Der ausgesuchte Name wird zuerst von der Mutter in das linke Ohr des Kindes geflüstert. Danach nimmt der Vater das Kind und flüstert ihm ebenfalls seinen Namen in sein linkes Ohr. Dann sagen beide Elternteile ganz leise flüsternd: „Ab jetzt heißt du (Name des Kindes)!“ Einige der Anwesenden haben den Namen vielleicht gehört, jedoch nicht alle.

Der Priester rezitiert Mantras in Sanskrit als Segen für das Kind, das gerade seinen Namen erhalten hat. Danach wird der Name des Kindes laut und deutlich bekannt gegeben. Ab nun darf das Kind mit seinem Namen angesprochen werden.

Es folgt der Segen der Eltern für das Kind. Dabei legen die Eltern ihre Hände auf den Kopf des Kindes und sprechen Mantras in Sanskrit. Darauf folgt der Segen der älteren Familienmitglieder und dann von allen anderen.

Beim Segen für das Kind wird nicht nur spiritueller Segen gespendet, sondern es werden auch Geschenke überreicht wie Kleidung, Schmuck, Geld, ein Versprechen für einen späteren Zeitpunkt, ...

Danach findet ein großes Festmahl statt.

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